Cordyceps ist eine Sammelbezeichnung, die im Handel für verschiedene Pilze und kultivierte Materialien verwendet wird. Healthy Fungi unterscheidet deshalb zwischen der Bezeichnung auf dem Etikett und der tatsächlichen Artidentität und Zusammensetzung des Extrakts.
RohstoffKultivierte Cordyceps-Kultur
Standardisierung50 % Gesamtpolysaccharide
Beta-GlucaneMindestens 20 % · separat gemessen
01Hirten und die Tradition der Berge
In tibetischen Geschichten ist Cordyceps als ungewöhnlicher „Winterwurm, Sommergras“ bekannt. Hirten sahen zwischen hohen Gräsern schlanke dunkelbraune Fruchtkörper und fanden darunter die Überreste von Raupen. Spätere Überlieferungen verbanden diese Entdeckung mit Yak- und Schafhirten.
Die Legende verdeutlicht die historische Bedeutung des Pilzes. Erzählungen darüber, dass Tiere dadurch kräftiger geworden seien, sind kein wissenschaftlicher Beleg für Wirkungen beim Menschen.
02Natürlicher Lebensraum
Ophiocordyceps sinensis kommt im Hochgebirge des tibetischen Plateaus und in Teilen des Himalayas vor. Der Pilz parasitiert im Boden lebende Mottenlarven. Wenn sich der Fruchtkörper entwickelt, wächst ein einzelner dunkler Stiel aus dem Boden.
Wild wachsende Exemplare kommen in großen Höhen vor und sind selten. Handelsübliche Zutaten für Nahrungsergänzungsmittel stammen deshalb häufig aus kontrollierten Pilzkulturen und sind nicht unbedingt mit einem wild gesammelten Raupen-Pilz-Komplex vergleichbar.
03Anbau und verwendete Materialien
Bei der Herstellung wird eine kontrollierte Pilzkultur auf einem Nährmedium gezüchtet, das unter anderem Reis und Proteinbestandteile enthält. An der Verarbeitung dieses Cordyceps-Präparats sind sowohl Myzel als auch Pilzstrukturen beteiligt.
Das ist ein wesentlicher Unterschied zu einem Extrakt, der ausschließlich aus wilden, ausgereiften Fruchtkörpern hergestellt wurde. Substratrückstände und mögliche Allergene müssen ebenfalls in der Produktspezifikation berücksichtigt werden; die genaue biologische Art muss unabhängig überprüft werden.
04Welche Verbindungen werden untersucht?
In Cordyceps-Materialien untersuchen Forschende verschiedene Polysaccharide und Glucane, Nukleoside wie Adenosin, Proteine, Aminosäuren und sterolähnliche Verbindungen. Die genauen Konzentrationen unterscheiden sich stark zwischen Arten, kultivierten Stämmen und Extraktionsverfahren.
Die Verbindung Cordycepin wird ausführlich untersucht im Zusammenhang mit Cordyceps militaris; solche Ergebnisse und Konzentrationen lassen sich nicht ohne Weiteres übertragen auf O. sinensis oder unserem eigenen Extrakt zugeschrieben werden. Um eine tatsächliche Konzentration zu bestimmen, muss das fertige Produkt analysiert werden.
05Unterscheidung zwischen Polysacchariden und Beta-Glucanen
Das Produkt ist auf mindestens folgenden Wert standardisiert: 50 % Polysaccharide und mindestens 20 % Beta-Glucane. Beta-Glucane sind eine Untergruppe der Polysaccharide; die Prozentangaben werden daher nicht addiert.
Die Messwerte für Gesamtpolysaccharide hängen von der Analysemethode ab. Zur Qualitätsbewertung prüfen wir auch den tatsächlichen Beta-Glucangehalt und das mögliche Vorhandensein von Stärke aus dem Kultursubstrat.
06Extraktion, Identifizierung und Qualität
Die Heißwasserextraktion ist ein verbreitetes Verfahren, um aus Pilzmaterial vor allem wasserlösliche Polysaccharidfraktionen zu gewinnen. Durch Konzentrieren und Trocknen entsteht ein haltbares Extraktpulver. Verschiedene Extraktionsverfahren lösen nicht alle Stoffgruppen gleich gut heraus.
Die Qualitätskontrolle erfordert die Identifizierung des Kulturstamms, des verwendeten Kulturanteils, der Trocknungs- und Extraktionsverfahren sowie Untersuchungen auf Mikroorganismen und Schwermetalle und Chargenanalysen. Eine Prozentangabe auf dem Etikett beweist keine therapeutische Wirksamkeit.